Samstag, 1. Oktober 2011

Ich geh dann mal beten. Oder: Ein kleiner Haufen Missverständnisse

Die Moschee die wir besucht haben

Ich bin konfessionslos. Dennoch war ich schon in vielen Kirchen. In protestantischen, katholischen und koptischen. In deutschen, französischen, polnischen, spanischen, italienischen, tschechischen und ägyptischen. Auch beim Papst war ich schon (allerdings war der nicht da). Auch an mehreren Gottesdiensten habe ich teilgenommen. Ich war in ein paar Synagogen, allerdings ohne an religiösen Veranstaltungen teil zu nehmen. Nur Moscheen habe ich bisher wenige besucht. Einmal waren Milot und ich in einer in Paris, aber auch nur ganz kurz. Erst dieses Jahr in Kairo habe ich ein paar besucht. Und dann habe ich mir gedacht: warum nicht mal hingehen um mit den Muslimen mit zu beten. Schließlich studiere ich Islamwissenschaft. Da wäre es doch mal ganz sinnvoll die Möglichkeit zu ergreifen das theoretisch erlernte praktisch um zu setzen. Zu gucken durfte ich schon mal, aber mit dabei sein ist ja nochmal was ganz anderes.
Nun bedarf das beten in der Moschee eine gewisse Vorbereitung. Ich musste mich nicht nur entsprechend kleiden und vorher waschen, nein, ich musste mich auch mental darauf einstellen, dass ich dann nicht einfach auf der letzten Bank zwischen den Gläubigen sitzen kann und mich vor allen religösen Handlungen drücken kann. Nein, ich muss den ganzen Ablauf mit machen. Gerade stehenbleiben wär ein bisschen blöd. Und wer mich kennt, der weiß wie ich so bin mit meinen mentalen Vorbereitungen....
So aber nun mal zu den physischen Vorbereitungen. Schon vor Wochen habe ich einem Freund hier gesagt, dass ich mal mit möchte in die Moschee. Hat ihn natürlich sehr gefreut und er hat auch sofort zugestimmt. Allerdings war ich da noch sehr ängstlich, weil ich dachte ich müsse dann alleine mit den fremden Frauen zusammen sein, ohne einen Ansprechpartner da zu haben. Er kann ja nicht mit mir zusammen beten. Als dann aber ein Freund von ihm kam, machte der den Vorschlag doch mit seiner Frau oder Schwiegermutter mit zu gehen. Puh! Sehr gute Idee (Balsam für meine mentale Vorbereitung).
Die Wochen verstrichen und ich habe mich nie getraut zu sagen: Jetzt will ich mit! Aber gestern war es dann so weit. um 18.30 sollte ich von einem Bekannten und seiner Schwiegermutter abgeholt werden. Wie es der Zufall will habe ich mich gestern mit Radwa getroffen. Einer ägyptischen Freundin die hier Deutsch studiert. Wir trafen uns zum Kaffee trinken und ich erzählte ihr, dass ich heute Abend zum beten in eine Moschee gehen werde und ich fragte sie, ob sie mich auch begleiten würde. Ne deutschsprechende Freundin in meinem Alter dabei zu haben ist doch nochmal was anderes und wie sich später rausstellen sollte, war ich heilfroh das Radwa mitkam.
Ich sagte Radwa, dass ich noch eine Abaya kaufen müsse. Ein Gewand zum beten, denn meine Hosen sind ein wenig zu eng und meine Obeteile ein wenig zu kurz. Also eher ungeeignet. Also machten wir uns auf zum nächsten Einkaufscenter. Radwa musste vorher noch beten. Also gingen wir in den Tiefgaragengebetsraum und ich konnte meine mentale Vorbereitung mit "zugucken" betreiben. Gleich danach sind wir wieder hoch ins Getümmel auf der Suche nach diesem eher unmodischen Kleidungsstück (für meinen Geschmack). Wir haben relativ schnell eine gefunden und auch gleich mitgenommen. Noch schnell ne Pepsi und dann ab zu mir nach Hause. Weitere Vorbereitungen standen an.
Ich musste mich waschen. Eigentlich muss man diverse Sachen bei der Gebetswaschung sagen, aber mein Gedächtnis ist eher schlecht und ich war froh, dass ich mir merken konnte in welcher Reihenfolge ich was waschen muss. Also hab ich beschlossen mich spirituell auf meine eigene Art und Weise und auf Deutsch auf das Gebet vorzubereiten. Nach dem waschen schnell die neue Abaya übergezogen und dann das "Prunkstück" des ganzen Outfits: das Kopftuch. Man ist ja eigen, es soll ja gut aussehen. Aber es muss auch halten beim beten. Erster Versuch sah ganz gut aus. Ich ging also runter von meinem Schlafzimmer und rief nur zu Radwa "nicht lachen!" Ich muss ja ehrlich sagen, das ausgelacht werden war meine größte Sorge. Auch als ich zu Freunden im Scherz sagte: Wenn ich morgen mit Kopftuch komme, lacht ihr mich doch eh aus. Aber ich bin so froh. Egal wie bescheuert ich jedesmal mit Kopftuch aussah, ich wurde nie ausgelacht.Aber weiter im Programm: ich war nicht ganz zufrieden mit meiner Kreation, also musste Radwa noch mal ran. Ich musste schmunzeln; kannte ich es doch eher dass Freundinnen sich die Haare frisieren und nicht das Kopftuch zurecht stecken. Mit ein bisschen hin und her probieren haben wir dann ein aktzeptables Ergebnis bekommen. Und da kam auch schon der Anruf, dass wir abgeholt werden.
Jetzt hieß es: ab auf die Straße mit dieser "Verkleidung". Ich wäre am liebsten gestorben. Hatte ich doch das Gefühl JEDER, aber auch wirklich JEDER wird mich auf der Straße anstarren. Dabei vergaß ich dabei ganz, dass hier so viele Frauen mit Kopftuch rumlaufen und ich nun wirklich keine Exotin war. Also wieder mal alles halb so schlimm. Ich lerne dann die Schwiegermutter kennen. Gigi. Gigi war sehr nett, allerdings entwickelten sich zwischen ihr und mir und ihr und Radwa diverse Missverständnisse. Erst einmal hat sie nicht so wirklich kapiert, dass Radwa eine muslimische Ägypterin ist, obwohl man das ziemlich deutlich sieht. Radwa hat ihr das auch auf Arabich gesagt, aber Gigi hat das nicht so ganz geschnallt. Wir sind dann hoch in die Moschee. Oben auf einer Empore beten die Frauen sodass die Männer sie nicht sehen können, die Frauen aber bequem runter auf die Männer gucken können.
Wir waren etwas früh dran und so haben Gigi und ich etwas zu Plaudern begonnen. Kurz darauf kam ihre Freundin Sally. Eine sehr gläubige junge Frau die sich an einem islamischen Institut religiös weiterbildet. Nach dem sprachlichen Missverständnis kommt es hier nun zum zweiten. Gigi und Sally dachten ich will konvertieren! Und eine komische alte Frau dachte das auch und begrüßte mich überschwänglich und freute sich riesig eine neue Schwester im Glauben begrüßen zu dürfen. Radwa fragte mich später, was ich denen erzählt habe. Und ich sagte nur "nichts, nur was ich studiere". Sie erzählte mir dann, dass die Alte schon ganz gespannt gefragt hatte ob ich denn schon die entsprechenden Worte gesagt hätte und Gigi und Sally sie abgewimmelt hätten und meinten, nein noch nicht. Da kam also das Stille-Post-Prinzip wieder durch. Kam also nicht an, dass ich nur mal zum gucken mit gekommen war und nicht nicht zum konvertieren. Na ja.
Vor dem Gebet kam Sally mir noch einen Crash-Kurs. Wie ich zu stehen habe, wohin ich gucken soll und was ich mit meinen Händen machen muss. Und: was ich wann sagen soll. Mir war gleich klar: Das kann ich mir alles nicht merken und ich war froh, dass man nicht laut betet sondern eigentlich nur die Lippen bewegt. Dann ging es auch ganz schnell los. Gigi rollte noch schnell ihren Mehrweg-Plastik-Gebetsteppich auf dem vorhandenen Gebetsteppich aus und los ging es. Ich machte alles nach was Gigi neben mir machte und mir viel natürlich nichts mehr von den Sachen ein die man während des Gebets sprechen soll. Aber das machte mir nichts aus. Für mich war das ein wirklich schönes Erlebnis. Sehr spirituell und wundervoll mit einer Hand voll Menschen, tief in ihr Gebet versunken die gleichen Bewegungsabläufe zu machen.
Nach dem Gebet hat Sally mich gefragt, ob ich noch Fragen hätte. Hatte ich aber nicht. Fand sie nicht so toll. Gigi auch nicht. Radwa fand's witzig. Vor allem, dass sie immer noch dachten ich will konvertieren (gerade dann muss man doch Fragen haben). Also haben wir uns drauf geeinigt, dass Sally und ich Emails austauchen, falls ich doch noch Fragen habe (sie hatte übrigens extra ihrem Professor Bescheid gesagt, dass sie mit lauter Fragen im Gepäck anrufen wird, weil sie heute ein Mädchen trifft das konvertieren will. Was hab ich nur angerichtet...). Ab ins Auto und wieder nach Hause.
Im Auto sagte Radwa mir, dass die scheinbar immer noch denken, dass sie Ägypterin sei die kein Arabisch könne, denn die beiden würden über mich sprechen. Also übersetzte Radwa mir, dass die beiden immer noch schrecklich verwundert und scheinbar auch ein bisschen enttäuscht sind wegen meiner Fragenlosigkeit. Wir brachten Radwa Heim, ich entledigte mich meiner unglaublich heißen Kluft und beschloss Sally doch noch mal meine Beweggründe zu erklären, damit sie nicht so enttäuscht nach Hause geht. Hat sie zum Glück verstanden und das Missverständnis war geklärt. Als ich dann auch noch mit Gigi das Missverständnis um Radwas Arabischkenntnisse klärte war sie etwas peinlich berührt.

Ich bin wirklich froh mitgegangen zu sein. Es war eine schöne Erfahrung, nicht nur für mich ganz persönlich oder für meine "Studienzwecke". Ich finde, es gehört auch ein wenig zur Allgemeinbildung oder wie man es sonst nennen soll, zu wissen wie die Mitmenschen und oft auf Freunde ihr Gebet abhalten. Ganz egal welchem Glauben sie angehören.


Meine Wahl fiel auf dieses grüne Tuch. 
Allerdings wurde es noch etwas enger gebunden.


Freitag, 30. September 2011

Zwei Verlobungsfeiern - ein und das selbe Chaos.


In der letzten Woche habe ich erfolgreich an zwei Verlobungsfeiern teilgenommen. Einer christlichen und einer muslimischen. Beide sind sich sehr ähnlich hier, aber von deutschen Feiern grundverschieden. Daher hieß es mal wieder: Kulturschock!
Auf der ersten Verlobungsfeier war ich letzen Samstag mit meiner Schwester, die hier zu Besuch war (und für die war es glaube ich noch ein größerer Kulturschock als für mich). So eine Verlobungsfeier ist quasi ein Testlauf für die Hochzeitsfeier, also viel kleiner als diese, dennoch größer als die typisch deutsche Hochzeit. Am Samstag sind wir also das erste mal ein eine koptische Kirche gegangen. Das Verlobungspaar hatte sich dazu entschlossen, sich mit Gottes Segen zu verloben. Wartet man in Deutschland in der Kirche auf das Brautpaar, wird es hier direkt vor der Tür von allen in Empfang genommen. Doch bevor es aus dem Auto aussteigen konnte wurde es erst einmal geschlagene 10 Min gefilmt und fotografiert In diesem Moment lernte ich das erste mal die Video-Leidenschaft der Ägypter kennen....
Wir gingen also hinter dem Brautpaar in die klimatisierte Kirche hinein, das direkt nach vorne ging und sich vor eine reich geschmückte Wand für Brautleute stellte. Leider saßen wir so, dass wir das Paar nur über die Video-Live-Übertragung sehen konnten. Und vermutlich hätten wir einen der Spitzenplätze haben müssen, um überhaupt was sehen zu können, denn der ganze Bereich vor dem Paar war voll von Kameraleuten und Fotografen die jede Regung festhalten mussten. 
Mitten in dem lauten Gewusel ging der Gottesdienst auch schon los. Nun, viele Gottesdienste habe ich in Deutschland auch nicht mitgemacht aber ich weiß, dass dort etwas alles ruhiger und gediegener zu geht. Und vor allem, dass wenn der Priester spricht, die Schäflein schweigen. Hier? Man hat doch so viel zu bereden und der Priester singt eh so laut, da hört man gar nicht wenn alle anderen noch reden. Auch das schon alles für die nächste Veranstaltung in der Kirche vorbereitet wird, der Müll ausgeleert oder sonst was stattfindet stört keinen. Zwischen dem Gespräch oder dem kurzen Spaziergang zu einem besseren Platz mit Sicht auf das Brautpaar wird noch schnell ein kurzes Gebet eingelegt und weiter geht es. Das Paar unterschreibt noch schnell ein Formular, das Verlobungsgeschenk (das permanent präsentiert wird), ein ganzes Schmuckset wird der künftigen Braut schnell umgehängt, Kreuze und Schlüssel geküsst und an die Stirn gehalten und schon ist alles vorbei. Auch das Ende habe ich nicht wirklich mitbekommen. Plötzlich wollten alle nur noch raus. 
Nach einer ewigen Glückwunsch-, Foto- und Video Session ging es dann auch zum Hotel wo gefeiert wurde. Zur Freude des Ereignissen wurden Feuerwerkskörper aus dem Auto geschmissen oder gehalten, mit einer Schreckschußpistole geschossen oder mal eben die ganze Straße blockiert und weitere Feuerwerkskörper zu zünden. Ich wunderte mich ständig, warum ich die Polizeisirene höre. Dachte schon "Ha, hier herrscht doch Recht und Ordnung und die schimpfen jetzt mit den, weil sie irgendwelche Knallkörper aus den Auto raus schmeißen". Aber Pustekuchen. Das Geräusch kam immer näher und war wieder weiter weg. Merkwürdig. Also fragte ich einen Freund im Auto, woher denn diese Polizeisirene kommt. "Ach, aus dem Auto hier das zu uns gehört!" "Ja aber wieder hat der denn im Privatauto die Polizeisirene?" "Hmm... entweder der ist bei der Polizei, oder hat sich die einfach aus nem Polizeiauto ausgebaut um die in seinem Auto zu haben." Ah ja.
Am Hotel angekommen wurde das Paar wieder geschlagene 10Min im Auto gefilmt, bis es denn endlich ausstieg und von den Gästen in Empfang genommen wurde. Mit arabischer Live Musik und Tanz. Ziemlich laut, aber wenigstens nicht so öde wie auf manchen deutschen Feiern. Doch bis es in Festsaal ging wurden drei Stopps auf dem kurzen Weg eingelegt um nochmal zu tanzen und, natürlich ganz wichtig: das Brautpaar zu filmen. Übrigens beim einfach in die Kamera gucken. Das ist genau das was mich so irritiert. Sie gucken und posen wie in eine Fotokamera, werden aber gefilmt. Na ja. Jedem was ihm gefällt.
Endlich im Festsaal angekommen erwartet man als Deutsche natürlich gleich das Essen. Zu früh gefreut. Erstmal muss weiter getanz werden. Wie ich später noch erfahren soll zu den absoluten Hochzeitsstandardliedern. Nach einer Weile tanzen geht's dann zurück an Platz (mein Kellnerherz blutete jedes mal wenn ich die Tische hier bei Feiern sah. Drei Gläser für sieben Personen?!) und dann wurde die Hochzeitstorte angeschnitten. Und ich weiß ja nicht, aber ich glaub die Hochzeitstorte gibts nur zum anschneiden. Gegessen wird später ne andere. Dann wurde endlich das Essen aufgetischt. Typisch ägyptisch natürlich und wahrscheinlich auch bei jeder Feier Standard. Wir mussten dann aber auch gleich nach Hause, schließlich stand ja am nächsten Tag die große Pyramiden-Tour an.
Gestern wurde ich dann wieder auf eine Verlobungsfeier eingeladen. Das muss ich ja sagen ist das schöne hier. Wird doch in Deutschland streng kalkuliert (bitte bloß keinen uneingeladenen Gast mitbringen) scheint das hier absolut kein Problem zu sein. Um 6 bekam ich einen Anruf. Ich schlief. "Hey wir gehen heute auf ne Verlobungsfeier, willste mit?!" "Achja, warum nicht... aber ich schlaf noch. Wie lange hab ich Zeit mich fertig zu machen?" "Eigentlich nur ne halbe Stunde aber ich geb dir ne Stunde". Für mich eigentlich kein Problem, zack unter die Dusche, zack Outfit raus gesucht, zack Haare und Make-up gemacht, Fertig, noch vor der Zeit. Und dann hieß es warten. Wiedermal typisch. Man konnte sich nicht einigen wer mich abholt und sonstige unerklärliche Verzögerungen kamen hinzu, sodass ich geschlagene einanhalb Stunden warten durfte.
Diese Feier war in irgendeinem Gebäude des Militärs. Das paar haben wir schon vor der Tür zum Festsaal getroffen. Wobei? Beim gefilmt werden natürlich. hier waren gleich zwei Videokameras dabei, dafür weniger Fotokameras. Also rein in den Festsaal. Mein Kellnerherz bekam diesmal einen noch schlimmeren Stich verpasst aber na ja, Kellner soll hier ja nicht Thema sein. Der Festsaal war noch halbleer, da ertönte durch grausige Lautsprecher der muslimische Gebetsruf und das Paar trat herein. Überglücklich wurde es von den paar anwesenden Leuten und Technomusik empfangen. Es folgte ein Wechsel zwischen Fotos auf der dafür bereitgestellen Couch machen, tanzen, neue Gäste begrüßen, mal eben Ringe tauschen, wieder Fotos und weiter tanzen. Das ganze natürlich wieder gefilmt, diesmal sogar mit Liveübetragung und Schnitt direkt hinter den Kulissen. 
Dann sollte es auch hier ans Essen gehen. Stolz wurde das Buffet von den Kameraleuten gefilmt (ich konnte es natürlich auf der Live-Übertragung sehen). Doch als dann auch eine Ansammlung von Fanta und Sprite-Dosen gefilmt wurde, und die Livebilder mit diversen Effekten unterlegt wurden, konnte ich mir das Lachen wirklich nicht mehr verkneifen. Wer zum Teufel will Fantadosen auf seinem Hochzeitsvideo zwei Minuten lang blinkend sehen?! 
Wir sind dann los zum Buffet und ich musste mich wieder daran erinnern, dass die Araber das nicht so mit anstellen haben. Aber egal, geht ja auch so. Man muss sich halt anpassen. Die Jungs wollten gleich den Nachtisch mitnehmen, aber ich meinte, man könnte doch erstmal das Hauptgericht essen und dann den Nachtisch holen. Aber sie sagten "Nimm dir lieber gleich was, bevor alles weg ist". Als ich auf dem Rückweg zu unserem Tisch an den anderen Tischen vorbei ging wusste ich, was sie meinten. Man könnte denken, eine Hungersnot bricht demnächst aus. Die Teller waren voller als voll und pro Person waren auch mehr als zwei Teller am Tisch (den Nachtisch mit einbegriffen). Außerdem wurden Notrationen an Fanta und Sprite Dosen heran geschleppt. Auch auf unserem Tisch sah es nicht besser aus. Alles wurde so schnell wie möglich und ohne Rücksicht auf jede Knicke-Regeln in sich hinein geschaufelt. Ich hatte aber noch glück. Man hatte mir noch was vom Nachtisch übrig gelassen.
Nach dem Essen sind wir auch gleich gegangen. Ist nur ne Verlobungsfeier, hieß es. Und ist auch gleich zwölf (nicht dass das ein Problem wäre). Na ja, mir wars ganz recht. Den ohrenbetäubenden Lärm aus den schrecklichen Lautsprechern konnte ich eh nicht mehr ertragen.

Eins habe ich jedenfalls festgestellt: So eine ägyptische Hochzeitsfeier oder auch nur Verlobungsfeier möchte ich nicht.

Samstag, 17. September 2011

Kairo heißt kuscheln

20 Millionen Menschen leben hier; da muss man schon mal etwas enger zusammen rücken. Und weil ich das Wort so gerne mag, nenne ich es kuscheln.
Kuscheln muss man hier öfter am Tag. Das fängt schon damit an, wenn man mit dem Taxi zur Arbeit fährt. Auto's lieben es hier zu kuscheln. Dicht an dicht drängen sie sich durch die Straßen (und wenn ich dicht sagte, dann meine ich auch dicht. Kuscheln eben.) Bei der Arbeit kuscheln wir auch. An einem Schreibtisch. Nicht, dass es nicht noch einen geben würde. Aber zu zweit ist es viel schöner. Da kann man sich viel besser Fotos zeigen, Rezepte austauschen oder über Jungs reden.
Auch nach der Arbeit kuschelt man weiter. Durch den Supermarkt beispielsweise, der so eng gebaut ist, dass man sich überall durchquetschen muss. Aber man muss auch aufpassen, denn der Ägypter bewegt seinen Einkaufwagen genau wie sein Auto: unkontrolliert und rücksichtslos. Da muss man schon mal mit dem Einkaufswagen auf tuchfühlung gehen.
Weiter geht's ins Café. Der Weg dorthin ist oftmals schon so ein Gedränge, dass man ständig am kuscheln ist. Menschenmassen überall. Doch nicht nur auf dem "Fussweg" (man mag ihn gar nicht so nennen), auch in der Metro wird gekuschelt (ich bevorzuge da den Damen-Waggon, der etwas geruchsneutraleres Kuscheln bietet), oder den Mini-Bus, in dem ich zum Glück mit einer mir bekannten Person kuscheln durfte. Aber wenn ich so manch anderen Mini-Bus sehe, dann weiß ich, wie gerne man hier kuschelt. Da hat man nicht nur links und rechts jemanden zum kuscheln, sondern auch über und wer weiß, vielleicht auch unter sich jemanden. Aber auch in einem normalen Auto kann man kuscheln. Nämlich dann, wenn man zu siebt ist, aber nur ein Auto hat. Dann kuschelt man halt. Allerdings haben dabei manche weniger Glück und müssen mit Handbremse und Schaltknopf kuscheln. Kommt man dann im Café an wird weiter gekuschelt, so voll kann es sein. Zwar bekommt jeder seinen eigenen Stuhl, aber bei oftmals vielen, riesigen Gruppen ganz schon ganz schön kuschelig werden. Aber auch im Park wird's gemütlich. Der ist zwar groß, aber wie gesagt: hier leben eine Menge Leute und die gehen gerne in Park.
Im CityStars Kaufhaus ist kuscheln eigentlich verboten, aber das kümmert keinen. Und auf dem Tahir-Platz kuscheln sie und kämpfen gleichzeitig für ihre Revolution.

Am liebsten kuscheln sie jedoch zu zweit. Auf einer der Nilbrücken zum Beispiel. Dann sitzen sie ganz eng nebeneinander und gucken auf die funkelnde Stadt und das glitzernde Wasser und vergessen die ganzen kuschelnden Massen hinter sich.
(Und ganz oft wünsche ich mir mit meinem Liebsten dort zu kuscheln....)

Der Ägypter lässt sich das kuscheln nicht verbieten!

Freitag, 16. September 2011

Geschichtsstunde - eine ernste Sache.

Es muss mal ernst werden.

Gestern war ich bei einem Freund zu Besuch. Wir reden oft über Religion und Glaube und das religiöse Leben hier in Ägypten. Gestern war noch ein Freund von ihm da. Wir kamen irgendwann auf das Thema Juden. Ein heikles Thema hier im Nahen Osten, das musste ich schon oft erleben. Der Freund der auch dort war sagte, dass er Juden hasse. Und Hitler sei ein großartiger Mensch gewesen. Das schockte mich noch nicht. Das habe ich schon oft gehört. Von Christen wie Muslimen aus dem Nahen Osten. Ich habe wieder die üblichen Sachen darauf geantwortet. Dass es falsch ist, sich über den Tod und das Leid von Millionen Menschen zu freuen und das man aufpassen muss, dass man die Politik Israels nicht mit den Juden im allgemeinen gleichsetzt. Nein, alle Juden würden Israel und deren Politik unterstützen und alle Juden seien böse Menschen. Sie hätten die gesamten Medien der Welt übernommen und kontrollieren sie. Hitler hätte ein paar Juden leben lassen, damit wir heute sehen was für schlechte Menschen sie sind. Mit Juden könne er niemals, wirklich niemals mehr als ein Wort wechseln, geschweige denn befreundet sein. Ich war geschockt. Und auch der Freund von mir, bei dem wir waren war geschockt. Er fragte ihn, wie er als gläubiger Muslim so etwas sagen könne. Das sei falsch und der Koran lehre ihm etwas ganz anderes. Es ist ihm egal. Kontakt mit einem Juden, niemals! Und Israel und die gesamten Juden müssen verschwinden. Ich erzähle ihm von meinem Besuch in Ausschwitz. Die Unmengen an Haaren, die ich dort sah, die Koffer, die Schuhe, die Bilder der Toten in den Ausstellungen. Ich war in der Gaskammer und sah Juden an den Verbrennungsöfen Kerzen anzünden. Auch für mich war das damals und ist es auch heute noch surreal. Man kann sich dieses unmenschliche Leid einfach nicht vorstellen. Aber ich weiß davon. Er wusste scheinbar nichts.
Ich erzählte ihm, dass nicht nur Juden umgekommen sind, auch Roma und Sinti, Schwule, Behinderte oder Politische Gegner und noch viele mehr. Ich erzählte ihm von den Experimenten von Dr. Megele und Amon Göth der wahllos von seiner Villa aus auf KZ-Insassen schoß. Ich fragte, ob er jemals von Anne Frank und ihrem Tagebuch gehört hatte. Nein, von nichts alledem hatte er gehört. Und auch von nichts vergelichbarem. Also holte ich mein Handy raus, und googelte Bilder aus den KZ's. Ich zeigte sie ihm.
Was mich wirklich berührt ist, dass es ihn vielleicht im ersten Moment geschockt hat, diese ausgemagerten Körper zu sehen, aber eigentlich hat er nichts verstanden. Und ich hatte auch das Gefühl, dass es ihm egal ist. Mit Juden möchte er niemals was zu tun haben. Das ist sei seine Meinung und wird es auch bleiben.

Der Freund von mir und ich bleiben geschockt. Und ich bin froh, dass nicht alle hier diese Ansichten haben.

Donnerstag, 15. September 2011

Wir kriegen nicht genug von: Plastik!

Da kommt man aus der schönen grünen, heilen Welt in Tübingen nach Kairo und was erwartet einen? Plastik! Plastik überall und für jeden Zweck. Da bekommt eine auf Öko getrimmte Ex-Kusterdingerin natürlich einen riesen Schock.
Plastik gibt's natürlich auch bei uns viel, aber ich vermute Plastik steht bei den Dingen die Ägypter lieben auf den obersten Rängen ihrer Beliebtheitsskala. So wird zum Beispiel im Supermarkt das Gemüse nicht in hauchdünne Plastiktüten gepackt oder ist in Pappverpackungen mit einfachem Plastiküberzug verfügbar, nein, hier gibts Styropor statt Pappe und gefühlte drei Schichten Plastikfolie um das Gemüse. Aber natürlich nicht nur Gemüse. Käse kommt in Plastik, Fleisch kommt in Plastik, Brot kommt in Plastik und Kekse kommen in Plastik. Also eigentlich alles was nicht eh schon in Plastik verpackt ist. Und sollte etwas nicht in Plastik verpackt werden, dann kommt es spätestens an der Kasse in Plastik. Ich würde ja gerne etwas für die ägyptische Umwelt tun und meine Einkäufe selbst einpacken, aber ich darf nicht. Also bekomme ich statt zwei Tüten sechs! Warum? Hm, des Rätsels Lösung suche ich noch immer. Meine bisherigen Forschungsergebnisse lauten: Fleisch darf nicht zu anderen Sachen, warm darf nicht zu kalt, Shampoo nicht zu Lebensmitteln und Eier (natürlich in Plastik statt Pappverpackung mit ordentlich Folie drum) kommen generell seperat. Kaugummis in eine seperate Tüte und dann in die normale Tüte, damit ich sie auch ja wieder finde. Denn Sinn und Zweck habe ich auch auf Nachfrage nicht verstanden (Shampoo könnte ja ans Fleisch kommen, aber das müsste erstmal den Weg durchs Plastik finden...).
Plastik gibts natürlich auch beim Kiosk gegenüber. Die obligatorische Tüte für eine Flasche Wasser, oder einen Schokoriegel. Manchmal ist der Schokoriegel so schnell in der Tüte, dass man sich gar nicht dagegen wehren kann aber mein Kiosk des vertrauens weiß schon, dass er mich fragen soll ob ich denn heute eine Tüte brauche oder nicht (ich habe ihm gesagt, dass ich Deutsche bin und wir Deutschen unsere Einkaufstüten selbst mitbringen bzw. den Schokoriegel halt in die Handtasche stecken). Plastik gibts natürlich auch in Form von Visitenkarten. Bei der Apotheke um die Ecke zum Beispiel. Die wird einem nach dem Einkauf in die Hand gedrückt und gesagt, wenn du wieder was brauchst ruf einfach an, wir liefern natürlich. Ich habe dankend abgelehnt und auch ihm erklärt, dass ich Deutsche bin und wir Deutschen eigentlich lieber persönlich in den Laden gehen um Sachen zu kaufen. Außerdem bezweifle ich, dass das sprachlich mit dem Bestellen klappt.
Aber auch das geliebte Automobil wird gerne eingepackt. Man liebt Plastik einfach zu sehr. Aber warum? Bei Taxis kann ich es ein wenig nachvollziehen, dass die Sitze in Plastk verpackt sind. Schließlich wechseln die auf-der-Sitzbank-Sitzer ja im Minutentakt, da nutzt der Bezug ziemlich schnell ab. Als Fahrgast ist so ein Plastikbezug eher unangenehm; das verlassen des Fahrzeugs ist besonders Tagsüber eher mit Schmerzen verbunden. Fraglich ist allerdings, warum Plastikfetzen des ehemaligen Bezugs noch immer auf der Sitzbank gelassen werden. Die Sitzbank ist längst durchgesessen aber die Spuren des vormaligen Schonbezugs wurden seit gefühlten 5 Jahren nicht entfernt. Gut man kann das alles verstehen. Aber nun kommt die Frage aller Fragen. Warum macht man(n) das: Mein Arbeitskollege nimmt mich manchmal mit nach Feierabend. Ich sitze also in seinem Auto (ca. 2 Jahre alt) und begutachte es von innen. Keine Plastikbezüge, gut. Mein Blick schweift nach oben an die Sonnenblenden. Eingepackt. In Plastik. Ich frage ihn: Warum sind lediglich deine Sonnenblenden in Plastik eingepackt? Und nun kommts: Ich werde das Plastik in drei Jahren entfernen und dann ist das Auto, inshallah, wie neu. Ich stockte. Ich wusste nicht weiter. Nach kurzer Bedenkzeit fragte ich ihn, wie denn das Auto in drei Jahren noch wie neu sein soll, wenn alles andere außer die Sonnenblenden Nutzungsspuren aufweist. Es schien, als machte er sich das erste mal Gedanken über sein Vorhaben, wusste aber auch keine gescheite Antwort und wiederholte lediglich "inshallah".

Ich wünsche ihm, dass es hilft.

Montag, 12. September 2011

Impressions of a Highway


Menschentransport

Strohtransport
Helm - nein, danke!
Papptransport
Zeltlager am Wegesrand
Tuktuk auf Aufholjagd
Werkstatt
Raststätte
Holzlager
Chemikalientransport
Moschee am Wegesrand
Ausschnitt der Müllhalde im Industrigebiet (am Straßenrand - natürlich)

Mittwoch, 7. September 2011

Ich bitte um Senf!

Jetzt hab ich mich mal ein wenig ausgiebiger mit "Blogger" beschäftigt und herausgefunden, dass man die Kommentarfunktion auch für nicht angemeldete User frei geben kann. Also bitte, gebt Euren Senf zu meinen Berichten!

Kleinigkeiten, die die Welt bedeuten können...

Es gibt Momente, da möchte ich schreiend aus dieser Stadt laufen. Da wird mir hier alles zu viel. Der Lärm, der Dreck, der Verkehr, die Menschenmassen, die Blicke...
Aber immer wieder gibt es Momente, die mich daran erinnern warum ich so gerne wieder nach Kairo kommen wollte. Die meisten Menschen hier haben ein so unglaublich großes Herz und würden sich selbst für Fremde aufopfern. Es sind diese vielen Kleinigkeiten die die Ägypter für einen tun; ganz ohne Aufforderung und Hintergedanken.
Da sind nicht nur die Leute in der Metro die mitbekommen, dass man hilflos umher schaut um den richtigen Weg zu finden und sofort auf einen zu kommen und fragen ob sie helfen können. Da sind auch die Leute auf der Straße die sehen, dass man Geld wechseln muss um den Taxifahrer bezahlen zu können und erst alle Leute in der Nähe fragen ob sie Geld wechseln können und sich dann das Geld nehmen (ja, man vertraut komischer Weise und bisher ist noch nichts schiefgegangen) um die Leute die weiter sind weg zu fragen, damit man endlich weiter kann. Da gibt es auch die anderen Gäste in einem Restaurant die, weil sie kein eigenes Feuerzeug haben, sofort aufstehen, zum Kellner gehen und ihn bitten mir doch Aschenbecher und Feuerzeug zu bringen. Oder diejenigen, die ich schonmal nach ihrem Feuerzeug gefragt habe, nur darauf warten, dass ich mir nach dem Essen wieder eine Zigarette anzünden möchte, um mir sofort ihr Feuerzeug zu reichen, mit der Bitte es doch unbedingt zu behalten, sie haben ja am Tisch noch ein.
Da sind die Freunde für die es nahezu eine Beleidigung ist wenn man sie bittet, dass man nach Hause gefahren oder zur Metro-Station gebracht wird. Auch wenn es ein großer Umweg ist. Da sind die, die mit einem einen ganzen Vormittag Behördengänge erledigen und eine Einladung zum Kaffee ablehnen, weil sie dann das Gefühl haben, für eine ganz normale Sache einen Lohn zu bekommen.
Da sind die, die einen quasi jedes Wochenende einladen um in ihr Ferienhaus am Meer zu kommen. Fahrtkosten, Unterkunftskosten, Essenskosten - nein danke. Man ist Gast und die Einladung wird gern und ernstgemeint gegeben.
Da sind die, die dir ihre Telefonnummer geben und sagen: Wenn du irgendwelche Sorgen hast, seien es Geldprobleme oder du musst irgendwohin, du hast dich verlaufen, du brauchst ein Platz zum schlafen. Ruf an, ich finde eine Lösung.

Diese Kleinigkeiten, die so viel bedeuten schätze ich hier so sehr; und ich suche sie oftmals vergebens in Deutschland...

Dienstag, 6. September 2011

Excel macht frei!

Als heute morgen mein Handy klingelte und meine Kollegin mir mitteilte, dass sie krank ist, habe ich mich schon auf einen völlig entspannten Tag gefreut. Na ja, ich wollte Arabisch und Persisch lernen und an meiner Hausarbeit arbeiten...
Als ich in der Firma ankam wartete schon die Sekretärin und fragte sogleich "Ann, willst du heute nicht bei mir sitzen? Magst du Tee oder Kaffee" Ich stellte mich schon auch quälend langatmige Gespräche ein, denn ihr Englisch ist nicht so gut, dass man einen sieben Stunden Tag mit Small Talk rum bekommen würde. Aber ich hätte da schon ahnen können das diese verlockenden Angebote immer einen Hintergedanken haben (wie das verlockende Mittagessen bei meiner Kollegin, das sich als fünf Überstunden machen herausstellte). Und plötzlich rückte sie mit der Wahrheit raus. "Ann, ich möchte, dass du mir einen Chart in Excel machst. Und mir genau erklärst wie du das machst." Aha. Ein Excel-Kurs sollte es heute also werden. Nach den Erfahrungen mit ihr und dem Scannen von PDF Dokumenten graute es mir ja schon etwas. Aber heute war sie ruhig. Wir haben auch auch alle Zeit der Welt und sie nahm sich auch die Zeit alles zu verstehen, was nicht gerade einfach ist, wenn ich versuche komplexe Sachen mit einfachen Vokabeln zu erklären und auch ich habe ja nicht jedes Wort auf Englisch parat. Aber es ging und sie hat schnell gelernt. Also hab ich ihr noch viel mehr Funktionen gezeigt. Eigentlich völlig simple, aber für sie war alles neu und sie lernt wirklich schnell. Natürlich haben wir wieder alls aufgeschrieben und sind dann auch noch Word angegangen. Zum Schluss sagte sie dann "Danke Ann, jetzt bin ich endlich unabhängig von meinem Mann. Der hat mir das vorher immer gemacht und mir nie was erklärt. Jetzt brauch ich den endlich nicht mehr!"

Excel-Crash-Kurs

Ich glaube, jetzt ist sie die am besten in Excel und Word Ausgebildete hier. Hoffentlich wird mir die Umwelt irgendwann dankbar sein, weil wenigstens eine Person hier die Excel-Sheets auf einer anstatt auf fünf Seiten ausdruckt. Und ich werd immer in Erinnerung bleiben, denn sie sagte noch "Ann, immer wenn ich jetzt scanne muss ich an dich denken..."

Montag, 5. September 2011

Zwischen Hantelbank und Gebetsteppich

Ja, ICH gehe hier in Kairo ins Fitnessstudio. Nachdem ich hier letztes Jahr ca. 6kg zugenommen habe, habe ich beschlossen dem dieses Mal entgegen zu wirken. War gar nicht so einfach eins in der Nähe zu finden, bzw. herauszufinden wo die Nähe ist, denn Google Maps kann einen auch gerne mal in Kairo im Stich lassen. Aber ein kurzes Gespräch mit meiner Kollegin offenbarte mir: es gibt eins in der Nähe. Sogar ein Frauen-Fitnessstudio. In Deutschland würde ich niemals in ein Studio nur für Frauen gehen, aber ich hielt es hier für besser. Schließlich sind die ägyptschen Frauen auch nicht schlecht im "Ausländer-Anstarren", aber ihre Blicke sind mir noch lieber als die der Männer.
Also hab dorthin. Mein Kollege fuhr mich direkt nach der Arbeit dorthin und machte sich mit mir auf die Suche nach dem Gebäude (Hausnummern sind hier nicht sonderlich beliebt) und wir fanden es dann auch nachdem wir diverse Passanten gefragt haben. Wie eigentlich jedes Büro oder Geschäft hier ist auch das Fitnesstudio in einem Wohngebäude. Im Keller, damit auch ja keiner rein gucken kann. Von außen ist alles verspiegelt (vermutlich damit frau sieht, wie nötig der Besuch mal wieder ist) und an der Tür hängen große Warnschilder "NO MEN ALLOWED". Kinder übrigens auch nicht.
Also hab ich mich mal angemeldet und war mächtig stolz, dass ich das Anmeldeformular auf Arabisch ausfüllen konnte. Nachdem das alles geklärt war, wurde ich von einem jungen Mädel (ich dachte Kinder wären nicht erlaubt....) hinunter ins eigentliche Studio geführt und einer Trainerin vorgestellt. Die schickte mich gleich noch ein Stock weiter runter in die Umkleide. Aha. Auch unter Frauen zieht man sich seperat um und die Duschen sind natürlich keine Gruppenduschen. Mir solls recht sein, auch wenn mir die üblichen großen Bänke in Umkleiden fehlen, auf denen man sich so schön ausbreiten kann. Im großen Vorraum der Einzelkabinen tummelten sich so einige Mädels. Die einen waren Haarefönen, die anderen wickelten sich ihr Kopftuch und wieder andere waren am beten.
Fertig umgezogen, wieder hoch. Da stand ich nun. Ich die Ausländerin und 3 Meter vor mir 3 Trainerinnen die unter sich ausknobelten wer sich denn um mich kümmern muss. Schließlich wurde eine nach vorne geschuppst. Sie musste ran. Englisch sprechen. Macht sie aber gut im Gegensatz zu den anderen kann sie es, allerdings habe ich noch am gleichen Abend beschlossen, die Hilfe der dortigen Trainerinnen er selten in Anspruch zu nehmen...
Ja, so ein ägyptisches Damen-Fitnessstudio ist schon eine Welt für sich. Man merkt, dass hier niemand vor hat einen Kerl mit seinem Outfit zu imponieren. Vermutlich würde der auch schreiend weg laufen. Statt Sporthose trägt man hier Leggings. Grundsätzlich eine Nummer zu klein und das bei jeder Körperform. Von Aerobic-Badeanzügen aus den 80ern über bis unter die Achseln gezogene Hosen sieht man hier wirklich alles! Na ja, geschmackssache. Was mich mehr erschreckte waren die Trainingsmethoden der "Trainerinnen". "Hier, draufsetzen, 30 Wiederholungen". Keine Erklärungen, nichts. Natürlich bleibt auch das Gewicht der Vorgängerin drauf. Zum Glück weiß ich ja vom heimischen Fitnessstudio wie die Geräte zu funktionieren und deshalb frag ich heute nur noch in Notfällen um Hilfe.
Witzig ist auch, dass hier zwischen den Geräten immer irgendwelche Damen liegen und ihre Gymnastikübungen machen. Dabei legen sie sich wirklich überall hin, auch halb unter die Geräte wenn nur noch da Platz ist. Das heißt, man kommt sich hier ganz schön nah (was ja nicht so mein Geschmack ist) und man muss ständig über irgendwelche Turnerinnen hinübersteigen um an sein Ziel zu kommen. Aber was wirklich erschreckend ist, wie manche ihre Übungen ausführen. Ich glaube, die denken "Je schneller, desto besser" und ich ahne schon, das nicht wenige irgendwann mit heftigen Rückenproblemen dastehen werden.
Genauso interessant sind übrigens die Cardio-Geräte. Dort findet man alles. Unglaublich ehrgeizige Mädels und einige die ungelogen fast drauf einschlafen. Dann findet man auch hier wieder welche die sehr interessante Bewegungen vollziehen, bei denen ich mich wirklich frage ob das so gesund ist. Aber solange die Trainerinnen nichts sagen...
Ich bin jedenfalls froh, dass jedes Cardio-Gerät seinen eigenen Fernseher hat (wenn er denn mal funktioniert), denn ich brauch Beschäftigung beim Laufen. Musikhören reicht mir nicht. Und so laufe ich meine 3km, gucke Nachrichten oder Spielfilme (meine Lauf-Nachbarinnen bevorzugen eher Videos von Hochzeiten (ich bin immer wieder überrascht WIE komisch arabische Sender sein können)) und mache meine Übungen. Meiner Gesundheit zuliebe: alleine.

Freitag, 2. September 2011

Arbeiten auf Arabisch. Oder: Wo liegt eigentlich Bolivien?


So, es ist nun wirklich mal wieder Zeit was zu schreiben. Der Ramadan ist nun vorbei, das Fest danach auch, nun ist Wochenende und am Sonntag geht's wieder los mit dem Praktikum. Ab jetzt Vollzeit.
Ich frage mich schon seit Wochen wie das wohl wird, denn im ersten Monat meines Praktikums habe ich nicht wirklich viel gemacht und auch nicht gelernt außer die arabische Mentalität beim Arbeiten kennengelernt. Und in dieser Mentalität zu arbeiten ist wirklich schwer, vor allem wenn man schon seit Jahren in Deutschland arbeitet.
Da wir wegen der extrem schwächelnden Wirtschaft in Ägypten und auch den umliegenden Ländern nicht wirklich viel zu tun haben, wird den ganzen Tag gequatscht. Oder auf Facebook gesurft. Oder man macht einfach mal nichts. Meine Kollegen hingegen konnten hingegen pünktlich ihren Gebeten nach kommen oder den Koran lesen, denn im Ramadan sollte jeder Gläubige den gesamten Koran lesen. Meine eine Kollegin pflegte es den Koran nicht im stillen zu lesen, wie die anderen, sondern leise vor sich hin zu murmeln. Hörte sich zwar wirklich schön an, aber ihr rhytmisches lesen und meine Langeweile führten gerne mal dazu, dass ich kurz davor war meinen Kopf auf den Schreibtisch zu legen und einzuschlafen. Was zum Glück nie passiert ist. Es ist auch wirklich ungewöhnlich, wenn der Kollege plötzlich vor meinem Schreibtisch anfängt zu beten (komischerweise hat er im ganzen Ramadan nur ein einziges Mal im Büro gebetet), oder der bestellte Mechaniker nach einem Gebetsteppich fragt und gleiches tut. Ja, das war wirklich ein kleiner Kulturschock, aber ich habe mir auch gedacht, wie schön es sein muss, sich im hektischen Büroalltag 5 Minuten Auszeit zu gönnen und zu sich zu kommen.
Hektisch war es sogar mal für eine Woche. Aber eigentlich auch nur wegen der Ich-mache-alles-auf-den-letzten-Drücker- Einstellung die, wie mir berichtet wurde, überall in Ägypten herrscht. Wir wurden eingeladen an einer Ausschreibung einer ägyptischen Firma teilzunehmen. Die Unterlagen waren laut Datum wohl schon im Juli im Büro aber erst in der zweiten Woche meines Praktikums hieß es vom Chef: Hier, durchlesen und mal gucken was man damit machen kann. Nachdem ich also 5 Stunden während der Arbeitszeit nichts gemacht habe, durfte ich nun zuhause diesen Papierstapel durchlesen. Vollkommen unstrukturiert, unlogisch und verwirrend. Drei Tage lang haben meine Kollegin und ich uns damit rumgequält, beide nichts verstanden und auch die Antworten seitens der Firma auf unsere Fragen waren mehr als nichtssagend (wenn denn mal Antworten kamen). Zwischendurch durfte ich mich als "IT-Expertin" nützlich machen. Meiner einen Kollegin simple Tricks in Excel zeigen (ich möchte hier den Nerven einiger meiner Leser zuiebe nicht näher darauf eingehen, was dort so veranstaltet wurde) oder der Sekretärin zeigen wie sie Dokumente als PDF und nicht als Bild-Datei einscannen kann. Und ich kann sagen: Das war eine meiner größten Herausforderungen. Denn eigentlich hat die Gute keine Ahnung wie irgendwas am Computer funktioniert. Ihre Methode: Einfach schnell überall rumklicken und alles wieder schließen. Aus wirklich unerfindlichen Gründen. Als ich es endlich geschafft hatte, ein Programm auf ihrem Rechner zu finden mit dem ich die Dokumente als PDF scannen kann (es sollten 60 Seiten werden), ich den Scanner startete und sie anflehte nichts, aber auch wirklich nichts mehr an zu fassen, kam alle 5 Min ein lauter Aufschrei: "ANN!! Der speichert keine Dateien" "Die kommt erst, wenns fertig ist". "ANN!! Bist du dir sicher?? Da kommt immer noch nichts, das ist alles Quatsch, besser wir machens so wie immer", "ANN!! Oooh der Chef wartet schon, wir machen doch lieber Bild-Dateien", "60 Bilder, damit wird niemand glücklich, bitte warte doch einfach. Geh ruhig beten, vielleicht hilfts ja. Ich pass hier auf." Gebet hat geholfen, das Scannen hat geklappt, schnell noch Screenshots gemacht und Beschriftet damit es beim nächstens Mal auch alleine klappt und noch einmal ermahnt, dass der Computer manchmal ein bisschen Zeit zum Denken braucht und wildes rumklicken da eher kontraproduktiv sein kein.
So, wieder zurück zu unserer Ausschreibung. Ich habe die ganzen Excel-Tabellen vorbereitet und dann angefangen die ganzen See- und Luftfracht Raten aus aller Welt einzutragen. Dafür aber wir alle unsere Büros angeschrieben die in den Ländern sitzen, von denen wir die Raten brauchten. Dann kamen allerdings Fragen, bei denen ich mit heruntergelassener Kinnlade da saß und mich fragte, ob ich nun eigentlich in einem Logsitk Unternehmen arbeite oder nicht. "ANN!! Check doch mal bitte ob Kanada näher an den USA oder an Australien liegt, damit ich weiß welches Büro ich für die Raten für Kanad fragen muss." Nachdem ich gefühlte 5Min in einer Art schockstarre da saß und auf die Karte vor meinem Schreibtisch verwieß und nur vorsichtig meinte, dass man doch ganz deutlich sieht, dass die USA und Kanada eine gemeinsame Grenze haben, kam nur ein verwundertes "OK" und weiter gings. Ein ähnliches Erlebnis eine Woche später. "ANN!! Guck mal bitte nach wo Bolivien liegt." "Ääh?! In Südamerika?!" "Oh, Ok. Dann sucht mal bitte einen Hafen raus." Meine Kollegin also auf der Google-Suche nach einem Hafen, fand auch schnell einen. Als ich allerdings meinte, kann nicht wirklich sein, weil Bolivien liegt nicht am mehr, war sie etwas verwundert. "Steht aber hier. Punkt." "Aber guck doch mal bitte auf die Karte. Kein Ozean da." "Oh" Also hab ich noch mal schnell Google angeworfen. Für alle dies interessiert: Bolivien hat einen quasi-Hafen, weil Peru so nett ist denen einen Zugang zum Ozean zur Verfügung zu stellen.
Wir wurden noch rechtzeitig fertig. Auch durch mehrere Überstunden zu Hause oder bei meiner Kollegin (Heimtückisch mit Essenseinladungen getarnt). Aber das ganze hätte deutlich entspannter laufen können, hätte man nur früher angefangen und würden alle die Sache nicht erst in den letzten Zwei Tagen ernst nehmen. Aber das ist wohl so üblich hier und für mich als Deutsche, die an einigermaßen effizientes und gründliches Arbeiten gewöhnt ist, eine kleine Katahstrophe.

Kreative Ergüsse während der Arbeit.

Achja: Noch etwas sehr ungewöhnliches. Hier werden Leute für die simpelsten Tätigkeiten angestellt. Wir haben einen Office-Boy, der nur dafür zuständig ist, Erledigungen zu machen oder Sachen von A nach B zu bringen. Außerdem gibt es extra Leute die vorbei kommen um die 5 Blumen im Büro zu gießen. Klingt verwirrend, aber mit solchen Jobs (genauso wie den Parkplatz-Einwinkern) haben jede Menge Leute wenigstens irgendeine Einkuntsquelle.

Samstag, 6. August 2011

Wenn man vom Teufel spricht!

1sec nachdem ich meinen letzten letzten Eintrag abschickte... Nichts passiert alles gut!

Ein Wochenende am Meer...

Meine Mitbewohnerin Vanessa bat mir an, sie und einen Freund von ihr, Eslam, ans Mittelmeer nach Agamy zu begleiten. Seine Familie habe da ein Haus und die Eltern verbringen den gesamten Ramadan dort. Ein Wochenende am Meer, wer kann dazu schon nein sagen?!
Wir sind Donnerstag Abend los gefahren. Eine Stunde brauchten wir um zur Autobahn zu kommen. Kurz vor dem Gate zur Autobahn machten wir Stopp an einer Tankstelle. Erstmal Fastenbrechen. Das wird selbst auf einer Tankstelle unter Fremden gemeinsam zelebriert. Ein Mitarbeiter der Tankstelle verteilte Datteln und innen wurde einen spezieller Ramadan-Trunk ausgegeben - nicht ganz mein Geschmack. Und dann, ab Richtung Alexandria!
Die Fahrt habe ich verschlafen - wie ich jetzt gerade merke: zum Glück! Falschfahrer, Fussgänger, Eselskarren, und halsbrecherisch geladene LKW findet man nicht selten auf der Autobahn. Reichen die Sitzplätze nicht, kommt der Rest auf die Ladefläche und die Möglichkeit für einen U-Turn gibts natürlich auch hier.
In der Villa (die hatten wir wirklich nicht erwartet) von Eslam angekommen, erwartete uns schon seine Mutter mit einem üppigen Essen.
Am nächsten Morgen machten Eslams Mutter und Oma extra für Vanessa und mich Frühstück. Es wurde eigentlich ständig dafür gesorgt, dass wir Mädels nicht vom Fleisch fallen. Dann hat Eslam uns zum Privatstrand gebracht. Er darf nicht mit. Ramadan heißt auch: keine halb-nackten Mädels anschauen! Am Strand fanden sich auch größtenteils nur ägyptische Christen. Und mir wurde sofort klar: wer seinen Glauben nicht mit einem langen Bart oder Koptuch repräsentieren kann, der tut es eben mit einem XXL-Kreuz um den Hals. Der Strand war traumhaft, das Meer unglaublich klar und warm und obwohl man wegen der extrem hohen Wellen nicht wirklich schwimmen konnte tat die nasse Abkühlung unglaublich gut!
Heute gabs für mich allerdings keinen Strand mehr. Ein leichter Sonnenstich hat mich ausgeschaltet. Das letzte Sonnenbad war doch schon zu lange her. Aber Eslams Mutter und Vanessa haben sich wirklich aufoperungsvoll um mich gekümmert.
Jetzt gehts zurück ins verstaubte Kairo. Ich freu mich schon - auch wenn ein paar Tage mehr am Meer auch nicht verkehrt wären.
Ich sehne mich grad nach nichts sehnlicher als dem deutschen TÜV. Aber ich werd's wohl wie die Ägypter machen müssen und sage: Inshallah kommen wir heile an!

Donnerstag, 4. August 2011

Müllabladen erlaubt!

Nachdem ich zwei Jahre nahezu genötigt wurde, meinen Müll penibel zu trennen, ist es schon jedes mal ein Glücksgefühl einfach alles in einen Mülleimer zu werfen. Komisch ist es allerdings, den Müll einfach an den nächsten Laternenmast zu stellen, damit er irgendwann mal (meistens aber im Laufe des Tages) abgeholt werden kann. Der Müll wird dann von einem der vielen Straßenkehrer, die sogar die "Autobahnen" fegen mit genommen...

Mittwoch, 3. August 2011

Peel it, boil it or leave it...

Mal abwarten, ob ich mich nächstes mal nicht doch besser daran halte. Der Preis ist allerdings unschlagbar: 2€, und das ist noch längst nicht alles!

Dienstag, 2. August 2011

Geschmückte Straßen zum Ramadan

Wenigstens tackern kann ich

Heute ist der zweite Tag im Büro. Wieder nichts zu tun. Ausser lochen, tackern und quatschen. Fotos zeigen, Facebook checken und rum philosophieren.
Durch die Revolutionen in Ãgypten und Libyen und allgemein die Situation hier im Nahen Osten gibt es nichts zu tun. Und das scheinbar seit Monaten. Keiner traut sich irgendwas zu kaufen, die Wirtschaft hier in Ägypten hält sich stark zurück. Keiner weiß was morgen sein wird und daher sitzen wir hier alle rum und schreiben zwischendurch für die wenigen noch laufenden Projekte Emails. Dafür hab ich Zeit meine Kollegen kennen zu lernen, die haben Zeit im Koran zulesen und ich in meinem Arabischbuch. Die Gebetszeiten können eingehalten werden und auch der Feierabend ist überpünktlich.
Ich glaub, morgen nehme ich mal mehr Unisachen mit... Langsam hat man keine interessanten Gesprächsthemen mehr...

Sonntag, 31. Juli 2011

Hallo Schamgefühl

Heute hat unser Gastvater oder eher Vermieter Kamel meine Mitbewohnerin Vanessa und mich in seinen Sportclub mitgenommen damit wir schwimmen können. Ganz schön teuer der Eintritt, 50LE also knapp 6€. Rein kommen tut man auch nur mit einem Mitglied. Vanessa und ich hatten nie ein Problem damit uns in Badeklamotten zu zeigen, aber plötzlich war es da: das Schamgefühl.
Fast nur Männer waren hier zum schwimmen, die meisten Frauen saßen am Rand oder gingen voll bekleidet ins Wasser. Nur wenige hatten einen Badeanzug an. Und plötzlich hatten auch wie ein Problem damit im Badeanzug am Becken lang zu laufen. Also ab zur Umkleide und zurück nur mit Handtuch um. Wir waren eh schon Exoten hier...
Von meinem drahtlosen BlackBerry® Handheld gesendet

Kairo - hier bin ich!

Endlich da! Um 22h hab ich endlich meinen Fuss aus einem Flughafen gesetzt. Vera, meine Leidensgenossin und ich haben es endlich geschafft. Leider ist meine Kamera weg (liegen gelassen, ich Trottel) und ihr Koffer. Haben wir hoffen inständig, dass wir beides schnellstmöglich wieder bekommen. Mein Gastvater und meine Mitbewohnerin haben mich abgeholt. Das erste mal, dass jemand mich mit meinem Namen am Flughafen erwartete ud Blumen gabs noch obendrauf. Ich glaub mit meinet Herberge und meinen Mitbewohnern habe ich einen echten Glücksgriff gelandet. Die Wohnung ist riesig mit 5m hohen Decken und mein Zimmer ist ein kleines grosses Prinzessinnen-Reich.

Samstag, 30. Juli 2011

Zufälle gibt's....

Da renn ich am Wiener Flughafen Kreuz und quer durch die Gegend, um endlich am mein Gate zu kommen, das kurzfristig verlegt wurde. Überwinde drei Passkontrollen und schimpfe über die unzureichende Information und die endlos lange Shopping mall durch die ich muss. Endlich am Gate angekommen kommt folgende Durchsage: wir suchen Passagiere, die auf ihren Platz verzichten und nach Kairo über Amman fliegen. Als Entschädigung bieten wir ihnen 400€. Kurz überlegt und sofort zum Schalter und mich gemeldet. Nach Jordanien wollt ich immer mal. Ist jetzt zwar nur der Flughafen, nen Stempel im Pass gibt's auch nicht, aber ich bin da. Und um 400€ reicher. Dafür muss ich jetzt 4 Stunden auf meinen Weiterflug warten und komme erst um 9 statt um 3 in Kairo an. Aber ich hab nette mitreisende bzw. Gleichgesinnte getroffen, die dieses unschlagbare Angebot auch nicht ablehnen konnten.

Los geht's!

Es ist 5 Uhr früh. Seit vier bin ich wach und hab Panik, dass ich was vergessen habe. Aber nun ist Pech, wir müssen dringend los, der Flieger geht um 7.30 (wie kam ich eigentlich auf die Idee so früh einen Flug zu buchen??). Ich schwanke vor lauter Vorfreude und Abschiedsschmerz. Zwei Monate sind eben doch ganz schön lang und wenn ich wieder komme ist nichts wie es vorher war. Ich wohne ganz woanders, viele so lieb gewonnene Freunde sind weg und dann fängt auch gleich das letzte Studienjahr an. Meinen geliebten Schatz werden ich auch ganz schrecklich vermissen. Zwei Monate und man kann nicht ständig telefonieren. Das wird hart.
So nun hab zum Flughafen, dann hab nach wien und von dort aus ins geliebte القاهرة

Mittwoch, 6. Juli 2011

Bald geht es los...!

Nur noch 24 Tage... Am 30. Juli flieg ich endlich wieder nach Kairo!

Vorher stehen noch 4 Prüfungen und eigentlich noch ein paar Hausarbeiten an... und aus meiner Wohnung muss ich auch noch ausziehen... Prokrastination macht sich breit, aber was muss das muss (hat Mama schon immer gesagt) und es ist ja nicht mehr lange, bis ich endlich in den Flieger 'gen Süden steigen kann!