Donnerstag, 15. September 2011

Wir kriegen nicht genug von: Plastik!

Da kommt man aus der schönen grünen, heilen Welt in Tübingen nach Kairo und was erwartet einen? Plastik! Plastik überall und für jeden Zweck. Da bekommt eine auf Öko getrimmte Ex-Kusterdingerin natürlich einen riesen Schock.
Plastik gibt's natürlich auch bei uns viel, aber ich vermute Plastik steht bei den Dingen die Ägypter lieben auf den obersten Rängen ihrer Beliebtheitsskala. So wird zum Beispiel im Supermarkt das Gemüse nicht in hauchdünne Plastiktüten gepackt oder ist in Pappverpackungen mit einfachem Plastiküberzug verfügbar, nein, hier gibts Styropor statt Pappe und gefühlte drei Schichten Plastikfolie um das Gemüse. Aber natürlich nicht nur Gemüse. Käse kommt in Plastik, Fleisch kommt in Plastik, Brot kommt in Plastik und Kekse kommen in Plastik. Also eigentlich alles was nicht eh schon in Plastik verpackt ist. Und sollte etwas nicht in Plastik verpackt werden, dann kommt es spätestens an der Kasse in Plastik. Ich würde ja gerne etwas für die ägyptische Umwelt tun und meine Einkäufe selbst einpacken, aber ich darf nicht. Also bekomme ich statt zwei Tüten sechs! Warum? Hm, des Rätsels Lösung suche ich noch immer. Meine bisherigen Forschungsergebnisse lauten: Fleisch darf nicht zu anderen Sachen, warm darf nicht zu kalt, Shampoo nicht zu Lebensmitteln und Eier (natürlich in Plastik statt Pappverpackung mit ordentlich Folie drum) kommen generell seperat. Kaugummis in eine seperate Tüte und dann in die normale Tüte, damit ich sie auch ja wieder finde. Denn Sinn und Zweck habe ich auch auf Nachfrage nicht verstanden (Shampoo könnte ja ans Fleisch kommen, aber das müsste erstmal den Weg durchs Plastik finden...).
Plastik gibts natürlich auch beim Kiosk gegenüber. Die obligatorische Tüte für eine Flasche Wasser, oder einen Schokoriegel. Manchmal ist der Schokoriegel so schnell in der Tüte, dass man sich gar nicht dagegen wehren kann aber mein Kiosk des vertrauens weiß schon, dass er mich fragen soll ob ich denn heute eine Tüte brauche oder nicht (ich habe ihm gesagt, dass ich Deutsche bin und wir Deutschen unsere Einkaufstüten selbst mitbringen bzw. den Schokoriegel halt in die Handtasche stecken). Plastik gibts natürlich auch in Form von Visitenkarten. Bei der Apotheke um die Ecke zum Beispiel. Die wird einem nach dem Einkauf in die Hand gedrückt und gesagt, wenn du wieder was brauchst ruf einfach an, wir liefern natürlich. Ich habe dankend abgelehnt und auch ihm erklärt, dass ich Deutsche bin und wir Deutschen eigentlich lieber persönlich in den Laden gehen um Sachen zu kaufen. Außerdem bezweifle ich, dass das sprachlich mit dem Bestellen klappt.
Aber auch das geliebte Automobil wird gerne eingepackt. Man liebt Plastik einfach zu sehr. Aber warum? Bei Taxis kann ich es ein wenig nachvollziehen, dass die Sitze in Plastk verpackt sind. Schließlich wechseln die auf-der-Sitzbank-Sitzer ja im Minutentakt, da nutzt der Bezug ziemlich schnell ab. Als Fahrgast ist so ein Plastikbezug eher unangenehm; das verlassen des Fahrzeugs ist besonders Tagsüber eher mit Schmerzen verbunden. Fraglich ist allerdings, warum Plastikfetzen des ehemaligen Bezugs noch immer auf der Sitzbank gelassen werden. Die Sitzbank ist längst durchgesessen aber die Spuren des vormaligen Schonbezugs wurden seit gefühlten 5 Jahren nicht entfernt. Gut man kann das alles verstehen. Aber nun kommt die Frage aller Fragen. Warum macht man(n) das: Mein Arbeitskollege nimmt mich manchmal mit nach Feierabend. Ich sitze also in seinem Auto (ca. 2 Jahre alt) und begutachte es von innen. Keine Plastikbezüge, gut. Mein Blick schweift nach oben an die Sonnenblenden. Eingepackt. In Plastik. Ich frage ihn: Warum sind lediglich deine Sonnenblenden in Plastik eingepackt? Und nun kommts: Ich werde das Plastik in drei Jahren entfernen und dann ist das Auto, inshallah, wie neu. Ich stockte. Ich wusste nicht weiter. Nach kurzer Bedenkzeit fragte ich ihn, wie denn das Auto in drei Jahren noch wie neu sein soll, wenn alles andere außer die Sonnenblenden Nutzungsspuren aufweist. Es schien, als machte er sich das erste mal Gedanken über sein Vorhaben, wusste aber auch keine gescheite Antwort und wiederholte lediglich "inshallah".

Ich wünsche ihm, dass es hilft.

2 Kommentare:

  1. Der Text ist cool :D habs grad meinen Arbeitskollegen gezeigt echt top ;) LG Fina

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  2. Ein Wunder, dass die Kassenzettel nicht auch in Plastik verpackt werden :) :-* Fatma

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