Es gibt Momente, da möchte ich schreiend aus dieser Stadt laufen. Da wird mir hier alles zu viel. Der Lärm, der Dreck, der Verkehr, die Menschenmassen, die Blicke...
Aber immer wieder gibt es Momente, die mich daran erinnern warum ich so gerne wieder nach Kairo kommen wollte. Die meisten Menschen hier haben ein so unglaublich großes Herz und würden sich selbst für Fremde aufopfern. Es sind diese vielen Kleinigkeiten die die Ägypter für einen tun; ganz ohne Aufforderung und Hintergedanken.
Da sind nicht nur die Leute in der Metro die mitbekommen, dass man hilflos umher schaut um den richtigen Weg zu finden und sofort auf einen zu kommen und fragen ob sie helfen können. Da sind auch die Leute auf der Straße die sehen, dass man Geld wechseln muss um den Taxifahrer bezahlen zu können und erst alle Leute in der Nähe fragen ob sie Geld wechseln können und sich dann das Geld nehmen (ja, man vertraut komischer Weise und bisher ist noch nichts schiefgegangen) um die Leute die weiter sind weg zu fragen, damit man endlich weiter kann. Da gibt es auch die anderen Gäste in einem Restaurant die, weil sie kein eigenes Feuerzeug haben, sofort aufstehen, zum Kellner gehen und ihn bitten mir doch Aschenbecher und Feuerzeug zu bringen. Oder diejenigen, die ich schonmal nach ihrem Feuerzeug gefragt habe, nur darauf warten, dass ich mir nach dem Essen wieder eine Zigarette anzünden möchte, um mir sofort ihr Feuerzeug zu reichen, mit der Bitte es doch unbedingt zu behalten, sie haben ja am Tisch noch ein.
Da sind die Freunde für die es nahezu eine Beleidigung ist wenn man sie bittet, dass man nach Hause gefahren oder zur Metro-Station gebracht wird. Auch wenn es ein großer Umweg ist. Da sind die, die mit einem einen ganzen Vormittag Behördengänge erledigen und eine Einladung zum Kaffee ablehnen, weil sie dann das Gefühl haben, für eine ganz normale Sache einen Lohn zu bekommen.
Da sind die, die einen quasi jedes Wochenende einladen um in ihr Ferienhaus am Meer zu kommen. Fahrtkosten, Unterkunftskosten, Essenskosten - nein danke. Man ist Gast und die Einladung wird gern und ernstgemeint gegeben.
Da sind die, die dir ihre Telefonnummer geben und sagen: Wenn du irgendwelche Sorgen hast, seien es Geldprobleme oder du musst irgendwohin, du hast dich verlaufen, du brauchst ein Platz zum schlafen. Ruf an, ich finde eine Lösung.
Diese Kleinigkeiten, die so viel bedeuten schätze ich hier so sehr; und ich suche sie oftmals vergebens in Deutschland...
Mittwoch, 7. September 2011
Dienstag, 6. September 2011
Excel macht frei!
Als heute morgen mein Handy klingelte und meine Kollegin mir mitteilte, dass sie krank ist, habe ich mich schon auf einen völlig entspannten Tag gefreut. Na ja, ich wollte Arabisch und Persisch lernen und an meiner Hausarbeit arbeiten...
Als ich in der Firma ankam wartete schon die Sekretärin und fragte sogleich "Ann, willst du heute nicht bei mir sitzen? Magst du Tee oder Kaffee" Ich stellte mich schon auch quälend langatmige Gespräche ein, denn ihr Englisch ist nicht so gut, dass man einen sieben Stunden Tag mit Small Talk rum bekommen würde. Aber ich hätte da schon ahnen können das diese verlockenden Angebote immer einen Hintergedanken haben (wie das verlockende Mittagessen bei meiner Kollegin, das sich als fünf Überstunden machen herausstellte). Und plötzlich rückte sie mit der Wahrheit raus. "Ann, ich möchte, dass du mir einen Chart in Excel machst. Und mir genau erklärst wie du das machst." Aha. Ein Excel-Kurs sollte es heute also werden. Nach den Erfahrungen mit ihr und dem Scannen von PDF Dokumenten graute es mir ja schon etwas. Aber heute war sie ruhig. Wir haben auch auch alle Zeit der Welt und sie nahm sich auch die Zeit alles zu verstehen, was nicht gerade einfach ist, wenn ich versuche komplexe Sachen mit einfachen Vokabeln zu erklären und auch ich habe ja nicht jedes Wort auf Englisch parat. Aber es ging und sie hat schnell gelernt. Also hab ich ihr noch viel mehr Funktionen gezeigt. Eigentlich völlig simple, aber für sie war alles neu und sie lernt wirklich schnell. Natürlich haben wir wieder alls aufgeschrieben und sind dann auch noch Word angegangen. Zum Schluss sagte sie dann "Danke Ann, jetzt bin ich endlich unabhängig von meinem Mann. Der hat mir das vorher immer gemacht und mir nie was erklärt. Jetzt brauch ich den endlich nicht mehr!"
Ich glaube, jetzt ist sie die am besten in Excel und Word Ausgebildete hier. Hoffentlich wird mir die Umwelt irgendwann dankbar sein, weil wenigstens eine Person hier die Excel-Sheets auf einer anstatt auf fünf Seiten ausdruckt. Und ich werd immer in Erinnerung bleiben, denn sie sagte noch "Ann, immer wenn ich jetzt scanne muss ich an dich denken..."
Als ich in der Firma ankam wartete schon die Sekretärin und fragte sogleich "Ann, willst du heute nicht bei mir sitzen? Magst du Tee oder Kaffee" Ich stellte mich schon auch quälend langatmige Gespräche ein, denn ihr Englisch ist nicht so gut, dass man einen sieben Stunden Tag mit Small Talk rum bekommen würde. Aber ich hätte da schon ahnen können das diese verlockenden Angebote immer einen Hintergedanken haben (wie das verlockende Mittagessen bei meiner Kollegin, das sich als fünf Überstunden machen herausstellte). Und plötzlich rückte sie mit der Wahrheit raus. "Ann, ich möchte, dass du mir einen Chart in Excel machst. Und mir genau erklärst wie du das machst." Aha. Ein Excel-Kurs sollte es heute also werden. Nach den Erfahrungen mit ihr und dem Scannen von PDF Dokumenten graute es mir ja schon etwas. Aber heute war sie ruhig. Wir haben auch auch alle Zeit der Welt und sie nahm sich auch die Zeit alles zu verstehen, was nicht gerade einfach ist, wenn ich versuche komplexe Sachen mit einfachen Vokabeln zu erklären und auch ich habe ja nicht jedes Wort auf Englisch parat. Aber es ging und sie hat schnell gelernt. Also hab ich ihr noch viel mehr Funktionen gezeigt. Eigentlich völlig simple, aber für sie war alles neu und sie lernt wirklich schnell. Natürlich haben wir wieder alls aufgeschrieben und sind dann auch noch Word angegangen. Zum Schluss sagte sie dann "Danke Ann, jetzt bin ich endlich unabhängig von meinem Mann. Der hat mir das vorher immer gemacht und mir nie was erklärt. Jetzt brauch ich den endlich nicht mehr!"
Excel-Crash-Kurs
Ich glaube, jetzt ist sie die am besten in Excel und Word Ausgebildete hier. Hoffentlich wird mir die Umwelt irgendwann dankbar sein, weil wenigstens eine Person hier die Excel-Sheets auf einer anstatt auf fünf Seiten ausdruckt. Und ich werd immer in Erinnerung bleiben, denn sie sagte noch "Ann, immer wenn ich jetzt scanne muss ich an dich denken..."
Montag, 5. September 2011
Zwischen Hantelbank und Gebetsteppich
Ja, ICH gehe hier in Kairo ins Fitnessstudio. Nachdem ich hier letztes Jahr ca. 6kg zugenommen habe, habe ich beschlossen dem dieses Mal entgegen zu wirken. War gar nicht so einfach eins in der Nähe zu finden, bzw. herauszufinden wo die Nähe ist, denn Google Maps kann einen auch gerne mal in Kairo im Stich lassen. Aber ein kurzes Gespräch mit meiner Kollegin offenbarte mir: es gibt eins in der Nähe. Sogar ein Frauen-Fitnessstudio. In Deutschland würde ich niemals in ein Studio nur für Frauen gehen, aber ich hielt es hier für besser. Schließlich sind die ägyptschen Frauen auch nicht schlecht im "Ausländer-Anstarren", aber ihre Blicke sind mir noch lieber als die der Männer.
Also hab dorthin. Mein Kollege fuhr mich direkt nach der Arbeit dorthin und machte sich mit mir auf die Suche nach dem Gebäude (Hausnummern sind hier nicht sonderlich beliebt) und wir fanden es dann auch nachdem wir diverse Passanten gefragt haben. Wie eigentlich jedes Büro oder Geschäft hier ist auch das Fitnesstudio in einem Wohngebäude. Im Keller, damit auch ja keiner rein gucken kann. Von außen ist alles verspiegelt (vermutlich damit frau sieht, wie nötig der Besuch mal wieder ist) und an der Tür hängen große Warnschilder "NO MEN ALLOWED". Kinder übrigens auch nicht.
Also hab ich mich mal angemeldet und war mächtig stolz, dass ich das Anmeldeformular auf Arabisch ausfüllen konnte. Nachdem das alles geklärt war, wurde ich von einem jungen Mädel (ich dachte Kinder wären nicht erlaubt....) hinunter ins eigentliche Studio geführt und einer Trainerin vorgestellt. Die schickte mich gleich noch ein Stock weiter runter in die Umkleide. Aha. Auch unter Frauen zieht man sich seperat um und die Duschen sind natürlich keine Gruppenduschen. Mir solls recht sein, auch wenn mir die üblichen großen Bänke in Umkleiden fehlen, auf denen man sich so schön ausbreiten kann. Im großen Vorraum der Einzelkabinen tummelten sich so einige Mädels. Die einen waren Haarefönen, die anderen wickelten sich ihr Kopftuch und wieder andere waren am beten.
Fertig umgezogen, wieder hoch. Da stand ich nun. Ich die Ausländerin und 3 Meter vor mir 3 Trainerinnen die unter sich ausknobelten wer sich denn um mich kümmern muss. Schließlich wurde eine nach vorne geschuppst. Sie musste ran. Englisch sprechen. Macht sie aber gut im Gegensatz zu den anderen kann sie es, allerdings habe ich noch am gleichen Abend beschlossen, die Hilfe der dortigen Trainerinnen er selten in Anspruch zu nehmen...
Ja, so ein ägyptisches Damen-Fitnessstudio ist schon eine Welt für sich. Man merkt, dass hier niemand vor hat einen Kerl mit seinem Outfit zu imponieren. Vermutlich würde der auch schreiend weg laufen. Statt Sporthose trägt man hier Leggings. Grundsätzlich eine Nummer zu klein und das bei jeder Körperform. Von Aerobic-Badeanzügen aus den 80ern über bis unter die Achseln gezogene Hosen sieht man hier wirklich alles! Na ja, geschmackssache. Was mich mehr erschreckte waren die Trainingsmethoden der "Trainerinnen". "Hier, draufsetzen, 30 Wiederholungen". Keine Erklärungen, nichts. Natürlich bleibt auch das Gewicht der Vorgängerin drauf. Zum Glück weiß ich ja vom heimischen Fitnessstudio wie die Geräte zu funktionieren und deshalb frag ich heute nur noch in Notfällen um Hilfe.
Witzig ist auch, dass hier zwischen den Geräten immer irgendwelche Damen liegen und ihre Gymnastikübungen machen. Dabei legen sie sich wirklich überall hin, auch halb unter die Geräte wenn nur noch da Platz ist. Das heißt, man kommt sich hier ganz schön nah (was ja nicht so mein Geschmack ist) und man muss ständig über irgendwelche Turnerinnen hinübersteigen um an sein Ziel zu kommen. Aber was wirklich erschreckend ist, wie manche ihre Übungen ausführen. Ich glaube, die denken "Je schneller, desto besser" und ich ahne schon, das nicht wenige irgendwann mit heftigen Rückenproblemen dastehen werden.
Genauso interessant sind übrigens die Cardio-Geräte. Dort findet man alles. Unglaublich ehrgeizige Mädels und einige die ungelogen fast drauf einschlafen. Dann findet man auch hier wieder welche die sehr interessante Bewegungen vollziehen, bei denen ich mich wirklich frage ob das so gesund ist. Aber solange die Trainerinnen nichts sagen...
Ich bin jedenfalls froh, dass jedes Cardio-Gerät seinen eigenen Fernseher hat (wenn er denn mal funktioniert), denn ich brauch Beschäftigung beim Laufen. Musikhören reicht mir nicht. Und so laufe ich meine 3km, gucke Nachrichten oder Spielfilme (meine Lauf-Nachbarinnen bevorzugen eher Videos von Hochzeiten (ich bin immer wieder überrascht WIE komisch arabische Sender sein können)) und mache meine Übungen. Meiner Gesundheit zuliebe: alleine.
Also hab dorthin. Mein Kollege fuhr mich direkt nach der Arbeit dorthin und machte sich mit mir auf die Suche nach dem Gebäude (Hausnummern sind hier nicht sonderlich beliebt) und wir fanden es dann auch nachdem wir diverse Passanten gefragt haben. Wie eigentlich jedes Büro oder Geschäft hier ist auch das Fitnesstudio in einem Wohngebäude. Im Keller, damit auch ja keiner rein gucken kann. Von außen ist alles verspiegelt (vermutlich damit frau sieht, wie nötig der Besuch mal wieder ist) und an der Tür hängen große Warnschilder "NO MEN ALLOWED". Kinder übrigens auch nicht.
Also hab ich mich mal angemeldet und war mächtig stolz, dass ich das Anmeldeformular auf Arabisch ausfüllen konnte. Nachdem das alles geklärt war, wurde ich von einem jungen Mädel (ich dachte Kinder wären nicht erlaubt....) hinunter ins eigentliche Studio geführt und einer Trainerin vorgestellt. Die schickte mich gleich noch ein Stock weiter runter in die Umkleide. Aha. Auch unter Frauen zieht man sich seperat um und die Duschen sind natürlich keine Gruppenduschen. Mir solls recht sein, auch wenn mir die üblichen großen Bänke in Umkleiden fehlen, auf denen man sich so schön ausbreiten kann. Im großen Vorraum der Einzelkabinen tummelten sich so einige Mädels. Die einen waren Haarefönen, die anderen wickelten sich ihr Kopftuch und wieder andere waren am beten.
Fertig umgezogen, wieder hoch. Da stand ich nun. Ich die Ausländerin und 3 Meter vor mir 3 Trainerinnen die unter sich ausknobelten wer sich denn um mich kümmern muss. Schließlich wurde eine nach vorne geschuppst. Sie musste ran. Englisch sprechen. Macht sie aber gut im Gegensatz zu den anderen kann sie es, allerdings habe ich noch am gleichen Abend beschlossen, die Hilfe der dortigen Trainerinnen er selten in Anspruch zu nehmen...
Ja, so ein ägyptisches Damen-Fitnessstudio ist schon eine Welt für sich. Man merkt, dass hier niemand vor hat einen Kerl mit seinem Outfit zu imponieren. Vermutlich würde der auch schreiend weg laufen. Statt Sporthose trägt man hier Leggings. Grundsätzlich eine Nummer zu klein und das bei jeder Körperform. Von Aerobic-Badeanzügen aus den 80ern über bis unter die Achseln gezogene Hosen sieht man hier wirklich alles! Na ja, geschmackssache. Was mich mehr erschreckte waren die Trainingsmethoden der "Trainerinnen". "Hier, draufsetzen, 30 Wiederholungen". Keine Erklärungen, nichts. Natürlich bleibt auch das Gewicht der Vorgängerin drauf. Zum Glück weiß ich ja vom heimischen Fitnessstudio wie die Geräte zu funktionieren und deshalb frag ich heute nur noch in Notfällen um Hilfe.
Witzig ist auch, dass hier zwischen den Geräten immer irgendwelche Damen liegen und ihre Gymnastikübungen machen. Dabei legen sie sich wirklich überall hin, auch halb unter die Geräte wenn nur noch da Platz ist. Das heißt, man kommt sich hier ganz schön nah (was ja nicht so mein Geschmack ist) und man muss ständig über irgendwelche Turnerinnen hinübersteigen um an sein Ziel zu kommen. Aber was wirklich erschreckend ist, wie manche ihre Übungen ausführen. Ich glaube, die denken "Je schneller, desto besser" und ich ahne schon, das nicht wenige irgendwann mit heftigen Rückenproblemen dastehen werden.
Genauso interessant sind übrigens die Cardio-Geräte. Dort findet man alles. Unglaublich ehrgeizige Mädels und einige die ungelogen fast drauf einschlafen. Dann findet man auch hier wieder welche die sehr interessante Bewegungen vollziehen, bei denen ich mich wirklich frage ob das so gesund ist. Aber solange die Trainerinnen nichts sagen...
Ich bin jedenfalls froh, dass jedes Cardio-Gerät seinen eigenen Fernseher hat (wenn er denn mal funktioniert), denn ich brauch Beschäftigung beim Laufen. Musikhören reicht mir nicht. Und so laufe ich meine 3km, gucke Nachrichten oder Spielfilme (meine Lauf-Nachbarinnen bevorzugen eher Videos von Hochzeiten (ich bin immer wieder überrascht WIE komisch arabische Sender sein können)) und mache meine Übungen. Meiner Gesundheit zuliebe: alleine.
Freitag, 2. September 2011
Arbeiten auf Arabisch. Oder: Wo liegt eigentlich Bolivien?
So, es ist nun wirklich mal wieder Zeit was zu schreiben. Der Ramadan ist nun vorbei, das Fest danach auch, nun ist Wochenende und am Sonntag geht's wieder los mit dem Praktikum. Ab jetzt Vollzeit.
Ich frage mich schon seit Wochen wie das wohl wird, denn im ersten Monat meines Praktikums habe ich nicht wirklich viel gemacht und auch nicht gelernt außer die arabische Mentalität beim Arbeiten kennengelernt. Und in dieser Mentalität zu arbeiten ist wirklich schwer, vor allem wenn man schon seit Jahren in Deutschland arbeitet.
Da wir wegen der extrem schwächelnden Wirtschaft in Ägypten und auch den umliegenden Ländern nicht wirklich viel zu tun haben, wird den ganzen Tag gequatscht. Oder auf Facebook gesurft. Oder man macht einfach mal nichts. Meine Kollegen hingegen konnten hingegen pünktlich ihren Gebeten nach kommen oder den Koran lesen, denn im Ramadan sollte jeder Gläubige den gesamten Koran lesen. Meine eine Kollegin pflegte es den Koran nicht im stillen zu lesen, wie die anderen, sondern leise vor sich hin zu murmeln. Hörte sich zwar wirklich schön an, aber ihr rhytmisches lesen und meine Langeweile führten gerne mal dazu, dass ich kurz davor war meinen Kopf auf den Schreibtisch zu legen und einzuschlafen. Was zum Glück nie passiert ist. Es ist auch wirklich ungewöhnlich, wenn der Kollege plötzlich vor meinem Schreibtisch anfängt zu beten (komischerweise hat er im ganzen Ramadan nur ein einziges Mal im Büro gebetet), oder der bestellte Mechaniker nach einem Gebetsteppich fragt und gleiches tut. Ja, das war wirklich ein kleiner Kulturschock, aber ich habe mir auch gedacht, wie schön es sein muss, sich im hektischen Büroalltag 5 Minuten Auszeit zu gönnen und zu sich zu kommen.
Hektisch war es sogar mal für eine Woche. Aber eigentlich auch nur wegen der Ich-mache-alles-auf-den-letzten-Drücker- Einstellung die, wie mir berichtet wurde, überall in Ägypten herrscht. Wir wurden eingeladen an einer Ausschreibung einer ägyptischen Firma teilzunehmen. Die Unterlagen waren laut Datum wohl schon im Juli im Büro aber erst in der zweiten Woche meines Praktikums hieß es vom Chef: Hier, durchlesen und mal gucken was man damit machen kann. Nachdem ich also 5 Stunden während der Arbeitszeit nichts gemacht habe, durfte ich nun zuhause diesen Papierstapel durchlesen. Vollkommen unstrukturiert, unlogisch und verwirrend. Drei Tage lang haben meine Kollegin und ich uns damit rumgequält, beide nichts verstanden und auch die Antworten seitens der Firma auf unsere Fragen waren mehr als nichtssagend (wenn denn mal Antworten kamen). Zwischendurch durfte ich mich als "IT-Expertin" nützlich machen. Meiner einen Kollegin simple Tricks in Excel zeigen (ich möchte hier den Nerven einiger meiner Leser zuiebe nicht näher darauf eingehen, was dort so veranstaltet wurde) oder der Sekretärin zeigen wie sie Dokumente als PDF und nicht als Bild-Datei einscannen kann. Und ich kann sagen: Das war eine meiner größten Herausforderungen. Denn eigentlich hat die Gute keine Ahnung wie irgendwas am Computer funktioniert. Ihre Methode: Einfach schnell überall rumklicken und alles wieder schließen. Aus wirklich unerfindlichen Gründen. Als ich es endlich geschafft hatte, ein Programm auf ihrem Rechner zu finden mit dem ich die Dokumente als PDF scannen kann (es sollten 60 Seiten werden), ich den Scanner startete und sie anflehte nichts, aber auch wirklich nichts mehr an zu fassen, kam alle 5 Min ein lauter Aufschrei: "ANN!! Der speichert keine Dateien" "Die kommt erst, wenns fertig ist". "ANN!! Bist du dir sicher?? Da kommt immer noch nichts, das ist alles Quatsch, besser wir machens so wie immer", "ANN!! Oooh der Chef wartet schon, wir machen doch lieber Bild-Dateien", "60 Bilder, damit wird niemand glücklich, bitte warte doch einfach. Geh ruhig beten, vielleicht hilfts ja. Ich pass hier auf." Gebet hat geholfen, das Scannen hat geklappt, schnell noch Screenshots gemacht und Beschriftet damit es beim nächstens Mal auch alleine klappt und noch einmal ermahnt, dass der Computer manchmal ein bisschen Zeit zum Denken braucht und wildes rumklicken da eher kontraproduktiv sein kein.
So, wieder zurück zu unserer Ausschreibung. Ich habe die ganzen Excel-Tabellen vorbereitet und dann angefangen die ganzen See- und Luftfracht Raten aus aller Welt einzutragen. Dafür aber wir alle unsere Büros angeschrieben die in den Ländern sitzen, von denen wir die Raten brauchten. Dann kamen allerdings Fragen, bei denen ich mit heruntergelassener Kinnlade da saß und mich fragte, ob ich nun eigentlich in einem Logsitk Unternehmen arbeite oder nicht. "ANN!! Check doch mal bitte ob Kanada näher an den USA oder an Australien liegt, damit ich weiß welches Büro ich für die Raten für Kanad fragen muss." Nachdem ich gefühlte 5Min in einer Art schockstarre da saß und auf die Karte vor meinem Schreibtisch verwieß und nur vorsichtig meinte, dass man doch ganz deutlich sieht, dass die USA und Kanada eine gemeinsame Grenze haben, kam nur ein verwundertes "OK" und weiter gings. Ein ähnliches Erlebnis eine Woche später. "ANN!! Guck mal bitte nach wo Bolivien liegt." "Ääh?! In Südamerika?!" "Oh, Ok. Dann sucht mal bitte einen Hafen raus." Meine Kollegin also auf der Google-Suche nach einem Hafen, fand auch schnell einen. Als ich allerdings meinte, kann nicht wirklich sein, weil Bolivien liegt nicht am mehr, war sie etwas verwundert. "Steht aber hier. Punkt." "Aber guck doch mal bitte auf die Karte. Kein Ozean da." "Oh" Also hab ich noch mal schnell Google angeworfen. Für alle dies interessiert: Bolivien hat einen quasi-Hafen, weil Peru so nett ist denen einen Zugang zum Ozean zur Verfügung zu stellen.
Wir wurden noch rechtzeitig fertig. Auch durch mehrere Überstunden zu Hause oder bei meiner Kollegin (Heimtückisch mit Essenseinladungen getarnt). Aber das ganze hätte deutlich entspannter laufen können, hätte man nur früher angefangen und würden alle die Sache nicht erst in den letzten Zwei Tagen ernst nehmen. Aber das ist wohl so üblich hier und für mich als Deutsche, die an einigermaßen effizientes und gründliches Arbeiten gewöhnt ist, eine kleine Katahstrophe.
Kreative Ergüsse während der Arbeit.
Achja: Noch etwas sehr ungewöhnliches. Hier werden Leute für die simpelsten Tätigkeiten angestellt. Wir haben einen Office-Boy, der nur dafür zuständig ist, Erledigungen zu machen oder Sachen von A nach B zu bringen. Außerdem gibt es extra Leute die vorbei kommen um die 5 Blumen im Büro zu gießen. Klingt verwirrend, aber mit solchen Jobs (genauso wie den Parkplatz-Einwinkern) haben jede Menge Leute wenigstens irgendeine Einkuntsquelle.
Dienstag, 9. August 2011
Samstag, 6. August 2011
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